Freizeitreiten auf Islandpferden

Erfahrungsbericht einerr Behandlung

Grundlagen

  • ew Ekzem - dieser Begriff sagt nichts aus über die Ursache sondern nur über das Symptom - nämlich die entzündliche Veränderungen der Haut. Das Sommerekzem ist eine chronische Erkrankung und eine Heilung ist bisher nicht möglich. Möglich ist aber, Beschwerden für Pferd und Reiter so klein wie möglich zu halten und das Ziel der Behandlung ist es, dass das Pferd so beschwerdefrei wie möglich wird und die Krankheit im besten Fall unsichtbar bleibt. Leider gibt es keine Patentrezepte und was bei dem einen Pferd prächtig wirkt, bringt unter anderen Bedingungen kaum Erfolge.
  • Ich musste mich als Pferdebesitzerin zuerst durch die verschieden Tipps und Rezepte für Hexenemulsionen hindurchwursteln, bis ich den Weg für „meine Ekzembehandlung“ gefunden habe, um Aufwand, Nutzen und vorhandene Möglichkeiten optimal miteinander verbinden.
  • Das Schwierige an der Behandlung von chronischen Krankheiten ist, die feinen Vorzeichen der Krankheit wahrzunehmen und eigentlich zu reagieren bevor das Ekzem wieder ausbricht. Den Anfängen zu wehren ist viel einfacher, als nachher die Wunden zu pflegen.
  • Ich wusste sozusagen gar nichts von Islandpferden und schon gar nichts vom Sommerekzem, als ich wie die Jungfrau zum Kind, zu meinem Pferdchen kam. Aber das ist eine andere Geschichte.
  • Der Krankheitsverlauf war wie er meistens zu sein pflegt: Der erste Sommer in der Schweiz meines in Island geborenen Pferdchens verlief eigentlich beschwerdenfrei. Heute würde ich mir aber zutrauen, die feinen Anzeichen, die schon Ende des ersten Sommers in der Schweiz auf ein Ekzem hindeuteten, zu erkennen. Im zweiten Sommer war es dann eindeutig, ich war die Besitzerin eines Ekzemers.
  • Zum Glück standen mir ein brüderlicher Tierarzt und Ekzem erfahrene Stallkolleginnen mit Rat und Tat bei. Dazu konnte ich aus meinem eigenen pädiatrisch-medizinisches Wissen schöpfen und stellte fest - Ekzem bei Kind oder Pferd – die Pflege ist ähnlich.
  • Heute bringe ich mein Pferdchen sozusagen Ekzem frei durch den Sommer. Der März und der Oktober sind immer noch die heiklen Monate für mein Pferdchen; weil ich jeweils nicht wahr haben will, dass schon wieder oder immer noch Ekzemzeit ist.

Meine persönliche Behandlungsstrategie

  • 1. Gute Hautpflege ist das A und das O:
  • gefährdete Stellen ölen und salben (Olivenölsalbe) oder ganz gewöhnliches, billiges Olivenöl
  • nach dem Ausreiten Schweiss abwaschen
  • sobald ich eine „harte“ Hautstelle erahne, mit der Ekzembehandlung beginnen
  • 2. Mückenabwehr:
  • Zedanöl (oder ähnliches) zum Einschmieren
  • Mähnenpiyama oder ganzer Schlafanzug
  • je nach Wetter und Mücken, Mückenspray beim Ausreiten
  • 3. Ekzembehandlung:
  • Horsol um die Hautschuppen abzulösen (ich brauche pro Ekzemsaison maximal eine Orginalpackung)
  • Cortisoncreme oder –salbe, wenn doch einmal ein Ekzemstelle vorhanden ist (Verbrauch:pro Ekzemaison maximal je 1 Tuben)
  • Shampo für Schweif und Mähne gegen Ungeziefer, etwa 3-4 mal por Sommer (maximal 1 Flasche pro Ekzemsaison)
  • Kostenpunkt:
  • maximal und grosszügig berechnet 150.- Franken pro Saison (Pferdepijama und Nähmaschine nicht einberechnet!)

Ein Pferd im Nachtanzug - mitten am Tag

ew Ein Pferd im Nachtanzug - ich wehrte mich so lange wie möglich dagegen, aus persönlichen Gründen. Ich fand es einfach eigenartig.
Aber das Pyjama hat doch Einzug in die Pferdegarderobe meines Isländers gehalten - schrittweise. Zuerst mit einem Mähnenteil. Diesen meinem Pferdchen mit dem Hang zum Dramatischen über den Kopf zu streifen brauchte Mut von beiden Seiten, anfänglich rannte das sonst so gemütliche Familientransporterli wie irr mit dem halbangezogenen Mähnenteil über dem Kopf durch den Paddock und hat mir eine praktischen Anschauungsunterricht verpasst, was es bedeutet, ein Besitzerin eines Fluchttieres zu sein.
Heute - Jahre später bin ich aus Überzeugung auch beim ganzen Pyjama gelandet. Mein Pferdchen tut so, als hätte es nie einen Schrecken gehabt beim Überstreifen des Pferdenachtanzuges – nur angebunden darf er dabei immer noch nicht sein – die Fluchtmöglichkeit will er haben, wenn er sie dann bräuchte, auch wenn er sie nicht mehr benützt.
Welche Marke Pferdenachtanzug darf es dann sein?
Klar ist, wer Pferdebesitzer eines bekleideten Pferdes ist braucht eine Nähmaschine und eine Ekzemdecke ist keine Anschaffung für ein ganzes Pferdeleben. Ich liebe die Decke von Ivanhoe aus Holland. Sie sitzt sehr gut, Nachteil, wenn sie defekt ist gibt es Fallmaschen und eine grössere Flick und Nähaktion.

Link: Ekzemdecken 

Cortison für mein Pferd - niemals!?

Cortison

ew Ein ebenso emotional geladenes Thema ist die Behandlung mit Cortison unter Pferdebesitzern wie das Thema Masernimpfung unter Eltern. Um es vorweg zu nehmen, es gibt Situationen im Leben, da kann man sich nicht entscheiden ob man eine Cortisolbehandlung will oder nicht – die Behandlung ist ganz einfach lebensrettend. Der Grundsatz beim Einsatz von Medikamenten und im Besonderen bei Cortison ist: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Cortison gilt als "gefährliches" Medikament. Gerüchte und Halbwahrheiten führen zu Verunsicherung. Irrtümer und Vorurteile halten sich hartnäckig. Und die Tatsache, dass man heute vielmehr über Cortison weiss, viele Nebenwirkungen vermeiden kann, man heute anders und genauer dosiert, wird gar nicht so recht zu Kenntnis geknommen.  
Cortison was ist das

Cortison ist kein Medikament sondern eines von mehreren körpereigenen Hormon das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Der Name Cortison stammt vom Lateinischen und bedeutet Rinde. Alle in der Nebennierenrinde gebildeten Hormone sind im Oberbegriff Kortikoide zusammengefasst.
Das körpereigene Cortison heisst korrekt Cortisol, oder Hydrocortison und hat eine lebenswichtige Funktion im Stoffwechsel. Cortison ist die inaktive Vorstufe von Cortisol. Ohne Cortisol ist der Mensch nicht lebensfähig.
Im Ruhezustand bildet der menschliche Körper 8-25 mg Cortisol pro Tag und kann die Produktion bei Bedarf bis zu 300 mg steigern, Pferde bilden über 24 Stunden 20-60 mg Cortisol.
Der Name „Cortison“ ist heute ein Sammelbegriff für viele miteinander verwandte Substanzen und bezeichnet sowohl körpereigene Hormone als auch künstlich hergestellte Abwandlungen.
Im Zusammenhang mit dem Sommerekzem ist die antiallergische Wirkung, welche die Rötung, Schwellung und den Schmerz beseitigt und stark entzündungshemmend wirkt, der gewünschte Effekt von Cortison.
Cortison ist bis heute der beste entzündungshemmende Wirkstoffe.

Weiter Infos  
Örtliche Ekzem-Behandlung mit Cortison

Lokal, also bei der örtlich begrenzten Anwendung, ist Cortison eigentlich unwirksam. Erst in den Fünfzigerjahren konnten durch Veränderung des Moleküls eine lokale Wirkung erst möglich gemacht werden.
Bei der lokalen Anwendung wird der Wirkstoff also genau dort eingesetzt, wo er benötigt wird und nur ein Bruchteil der eingesetzten Dosis gelangt in den Blutkreislauf.  
Wie wirkt Cortison genau

In den letzten Jahrzehnten konnten die Wirkungsmechanismen von Cortison weitgehend geklärt werden. Man weiss heute, dass alle Zellen Ankopplungsstellen für Corticoide haben, sogenannte Rezeptoren. Der Cortison-Rezeptor-Komplex dringt in den Zellkern ein und löst dort die Bildung spezieller Eiweisse aus. Ein Teil der Eiweisse wirken unmittelbar entzündungshemmend, während andere die übermässige Abwehrreaktion einer Allergie hemmen, und damit den Juckreiz stillen, die Haut abschwellen lassen und eine Heilung der Haut möglich macht.
 

Salbe, Creme? Wo liegt der kleine Unterschied?

Was ist Galenik
ew Der griechischen Arzt und Apotheker Galenos von Pergamon gilt als Gründer der Galenik, der Lehre von der Zubereitung und Herstellung von Arzneimitteln. Damals ging es vor allem darum, Arzneimittel mit geschmacklichen Hilfsstoffen so zuzubereiten, dass sie von Menschen überhaupt geschluckt werden konnten. Es ging also um eine geschmackliche Verbesserungen mit Hilfsstoffen.

Medikamente, die auf die Haut aufgetragen werden, werden oft in sehr geringen Mengen gebraucht und ein Trägerstoff ist nötig um das Medikament in der richtigen Dosierung an den richtigen Ort zu bringen.
Dieser Trägerstoff für Medikament die über die Haut aufgenommen werden, kann eine Salbe, eine Crème, eine Lotion oder eine Tinktur sein.
 
Eine kleine Einführung in Salben, Crèmes, Lotions

Öl und Wasser sind die Grundstoffe für Salben, Crémes und Lotions. Sie stossen sich aber aufgrund der elektrischen Ladung der Moleküle ab und lassen sich nicht miteinander vermischen. Mit Hilfe von sogenannten Emulgatoren ist es möglich, Öl und Wasser in einer stabilen, fein verteilten Mischung zu halten, weil die Moleküle der Emulgatoren einen Wasser und einen Fett anziehenden Teil haben und so die Verbindung möglich machen.
Emulgatoren sind also Substanzen, die dazu dienen, zwei eigentlich nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten zu verbinden.  
Salben sind „Wasser-in-Öl-Mischungen“, enthalten einem hohen Fettanteil, einen geringen Wasseranteil und einen kleinen Zusatz von Emulgatoren. Salben überziehen die Haut mit einem Fettfilm und sorgen dafür, dass kein Wasser über die Haut nach aussen abgegeben werden kann. Die Haut wird vor Austrocknung geschützt und raue, schuppige Haut wird wieder elastischer. SFettsalben tragen zwar dazu bei, dass trockene Haut an Feuchtigkeit gewinnt. Sie verschließen aber auch die Poren der Haut und sorgen so für einen Hitzestau, so dass sie bei akuten Entzündungen eher die Situation verschlimmern können, weil sie eine bild Verdünstungsbarriere bilden und dürfen darum bei akuten Entzündungen, wenn die Haut Wasser und Wärme abgeben soll, nicht eingesetzt werden.  
Cremes sind „Öl-in-Wasser-Mischungen“, enthalten einen höheren Wasseranteil und einen grösseren Zusatz von Emulgatoren als Salben. Cremes bleiben kürzer auf der Haut und können bei Hauttrockenheit aufgrund des hohen Wassergehalts die Hauttrockenheit noch verschlechtern. Cremes bilden keine Verdünstungsbarriere und können darum auch bei akuten Entzündungen, wenn die Haut Wasser und Wärme abgeben soll, eingesetzt werden.  
Lotionen gibt es als Wasser-in-Öl oder als Öl-in-Wasser-Lösung. Je trockener die Haut ist, desto mehr Fett sollte die Lotion enthalten.
Wässerige Lotionen wirken sie kühlend, können aber die Haut austrocknen 
Schüttelmixturen enthalten feste, nicht lösliche Bestandteile in Wasser und enthalten keine Emulgatoren. Schüttelmixturen müssen darum vor Gebrauch immer aufgeschüttelt werden. Wenn der Wasseranteil auf der Haut verdunstet, bleibt eine puderige Schicht zurück, die maximal austrocknend und kühlend wirkt.
 
Lösungen enthalten überhaupt keine fettenden Bestandteile, sondern beruhen auf einem wässrig-alkoholischen Gemisch.  
Tinkturen sind dünnflüssig, meist alkoholhaltige Auszüge meistens aus Pflanzen. In der Fachsprache werden solche Auszüge "Mazeration" genannt, das bedeutet, dass ein Stoff in einem Lösungsmittel ausgezogen wird  
   

Horsol, was ist das?

Hautschuppen beim Ekzem

ew Normalerweise verdicken sich die Zellwände der Hautzelle langsam, bis der Stoffwechsel zum Erliegen kommt und die Zelle abstirbt. Gleichzeitig wandert die Zelle von den tiefen Hautschichten an die Hautoberfläche. Dort kommt sie als Hornzelle an und wird durch Reibung abgetragen.
Beim Ekzem ist dieser Rhythmus stark gestört. Der Lebenszyklus der Hautzellen ist verkürzt und führt zu einer übermässigen Vermehrung der Hornzellen und die toten Hornschichten werden nicht abgetragen.  
Wirkung von Salicylsäure

Salicylsäure lösen die Verbindungen zwischen den einzelnen Hornhautzellen auf. Dadurch können die Schichten schneller abgeschuppt werden. Mit der Verdünnung der Hornschicht und der Ablösung der Schuppen wird die erkrankte Haut weicher und auch wieder besser aufnahmefähig für andere äusserlich eingesetzte Arzneimittel.
Neben der Abschuppung wirkt Salicylsäure auch leicht entzündungshemmend.  
In der Schweiz kann Horsol nur via Tierarzt bezogen werden.

HORSOL