Freizeitreiten auf Islandpferden

Der Ritt

Endspurt
im August  
Joe überprüft ob wir richtig trainieren. 10 Tage vor dem Ritt bekommen die Pferde den Reisebeschlag. Der alte Satz soll als Reserve mit - bei uns sind die alten Eisen vom vielen Trainieren wörtlich alte Eisen und nicht mehr zu gebrauchen. Das Training wird die letzte Woche auf zwei Stunden pro Trag heruntergefahren.  
Die erste Panne
Mittwoch 27.September  
Eigentlich sollte der Amtstierarzt den Gesundheitszustand aller Pferde gleichzeitig als ausreisetauglich beglaubigen, das klappt dann in letzter Minute doch nicht und alle müssen noch einen mehr oder weniger willigen Amtstierarzt auf ihren Hof locken.  
Freitag 29.September
Abreise der Pferde
 
Nur etwa drei Stunden hinter dem geplanten Zeitplan werden unsere vier Pferde mit dem Transporter am Sammelplatz Schnasberg von Joe abgeholt, Grenzpapiere und Pferdepass im Hosensack. Sabine holt die andern fünf Pferde am zweiten Sammelplatz. Alle Pferde passieren heute zusammen die Grenze und warten im Elsass auf uns.
Wir ahnen noch nicht, dass ab jetzt französische Zeitangaben auf und warten, sofort heisst in zehn Minuten oder auch erst in zwei Stunden, alles ist eben relativ...
Nach eineinhalb Jahren Planung, Vorbereitung und Training beginnt unser Abenteuer.  
Samstag 30.September
Neufbrisach - St. Hippolyte
Es geht los
 
Es regnet in Winterthur, es regnet in Basel und es regnet noch ein bisschen in Lutter. Reiter, Pferde und Gepäck verlassen den Sammelplatz in Lutter noch einmal im grossen blauen Lastwagen Richtung Neufbrisach, östlich von Colmar.
Wir beginnen mit dem kulinarischen Teil, die Pferde im saftigen Gras und wir am Esstisch mit den Köstlichkeiten aus Joes Küche. Lúði, der Heimkehrer, orientiert sich erstmals in welche Richtung der heimatliche Hof liegen würde, aber so richtig ernst ist der Ausbruchversuch nicht.
In den alten Gemäuern des gut erhaltenen Festungsgrabens starten wir unseren Ritt Richtung Paris. Die Sonne scheint immer intensiver, die Frage ist nicht Regenjacke ja oder nein, die Frage ist Sonnencreme ja oder nein und welchen Faktor.
Gemütlich geht es im Schritt an unendlich langen Maisfeldern vorbei, kilometerlange Wege die eigentlich zum Tölten, Traben und Galoppieren einladen – aber wir gehen im Schritt. An diesem ersten Tag wird vor allem im Schritt geritten, Sabine will die Truppe etwas einschätzen. Es ist schwül heiss, Pferde und Reiter schwitzen.Ein paar Reiter wandern manchmal zu Fuss neben ihren Pferden – nein, es hat noch niemand Problemzonen – es geht mehr um das Abarbeiten von Kalorien...
Der Regen holt uns 10 Minuten vor der Pferdeunterkunft in St. Hippolyte ein.  
Sonntag 1. Oktober
St. Hippolyte - Saales
Über die Vogesen
 
Es regnet nur einmal, nein nicht den ganzen Tag, aber genau dann, als wir draussen zu Mittag essen...
Ein Pferd hinkt diskret beim Abritt, läuft sich aber ein und hinkt nicht mehr.
Ein strenger Tag, wir überqueren die Vogesen. Auf steilen, steinigen Wegen tragen uns unsere Pferde auf der einen Seite den Berg hinauf, auf der andern Seite führen wir sie wieder hinunter. Und weiter gehts über die nächsten beiden Bergketten. Die Tage sind lang, 8 Stunden im Sattel. Viel im Trab, einmal eine Galoppstrecke – unseren Pferden beginnt es zu dämmern, warum wir sie so zum Training genötigt haben. Es gibt keine Stundenhalte, nur Pinkelpausen, damit die Pferde nicht aus ihrem gleichmässigen Trott fallen. Ein Glück, dass Sabine unsere Tourenleiterin am Morgen viel Kaffee trinkt.
Lúði der Ausbrecher, macht nur noch einen Versuch die Richtung zu ändern, aber Framtíð schaut doch noch bei jeder Abzweigung Richtung Schweiz. Sabine kontrolliert mit Kennerblick den Trainingszustand unserer kleinen grossen Pferdchen.
Alle die sich Sorgen gemacht haben: Wir haben keine Problemzonen und falls wir die hätten, würden wir es nicht zugeben.
Beim Abstieg gleitet ein Reiter auf einer nassen Schwelle aus, kippt den Fuss so um, dass tüchtig an den Bändern und Sehnen gezogen wird. Der Fuss wir blau und dick. Reiten geht noch ziemlich prima, das Gehen ist ein Härtetest.

Bilanz des Tages: Trotz saumässigem Wetterbericht gerade einmal Regen gehabt, minus ein Fuss, aber ein menschlicher, beim Abstieg auf einer nassen Schwelle ausgeglitten und den Fuss umgekippt. Ein Softcast wäre eine Erlösung, mit Pferdetape und Wanderschuhen kann man den Fuss auch fixieren. Zum Glück haben wir ein grosses Ibuprufen-Lager.

Die Tage im Überblick:
07 00 Uhr Tagwacht.
08 00 Frühstück, anschliessend Fahrt zum Stall, Pferdepflege
09 30 Uhr Abritt
15 00 1 Stunde Mittagsrast.
19 00 Uhr Ankunft in der Pferdeunterkunft, Pferde füttern, Pferdebeine kühlen, Sattellage pflegen
20 30 Uhr Marsch Richtung Hotel und
21 00 Abendessen
24.00 Uhr Lichter löschen im Zimmer  
Montag 2. Oktober
Saales - Ramberviller
Regen
 
Die Frage ist heute nicht ob es regnet oder nicht, die Frage ist regnet es viel oder regnet es wenig. Zum Glück ist es nicht auch noch kalt.
Wir klettern noch einmal in die Höhe, Sabine erklärt uns, was wir sehen würden, wenn es keinen Nebel hätte. Sanft geht es nun über die alte felsige Römerstrasse durch die Wälder der Vogesenausläufer Lothringens meistens abwärts. Nach dem gestrigen Tag ist dieser Abschnitt für Mensch und Tier ein Zuckerlecken.
Wir landen in einem romantischen, sehr ringhörigen Hotel. Vier Auserwählte stellen freudig fest, dass ihre Schlafstätte ein Wasserbett ist.
Der Abend endet spät und mit viel Gesang, schade haben wir keinen Gitarrespieler unter uns, aber die Stimmen sind auch nicht schlecht. Die Hotelbesitzer halten uns für einen Chor auf Konzertreise.  
Dienstag 3. Oktober
Ramberviller – Mirecourt
Land unter
 
Es regnet was die Wolken hergeben. Nach einer Stunde brechen wir den Etapperitt ab, es gibt kein Durchkommen mehr, ein Weg ist unter Wasser, über dem nächsten liegt ein Baumstamm, der Weg zum nächsten Ziel versinkt in den Fluten, wir sind bis auf die Unterhosen nass. Zurück zum Stall Nummer drei, die Pferde beziehen ihre Boxen wieder, die Mannschaft fährt auf Umwegen durch die überflutete Landschaft zur nächsten Unterkunft.
Noch ist unklar, ob wir morgen weiterschwimmen können, jedenfalls ist das einzige Fischereigeschäft punkto wasserdichter Regenbekleidung leergekauft, vielleicht nehmen wir bei unserem nächsten Ritt Seepferdchen mit.  
Mittwoch 4. Oktober
Mirecourt – Ramberviller - Neufchâteau
Evakuation
 
Wir suchten ein Abenteuer und wir finden mehr Abenteuer als uns lieb ist.
Soviel zum Regen: Es hat heute nur einmal geregnet, nicht den ganzen Tag und nicht bei der Mittagsrast – dieses Mal sassen wir während der Regenperiode im Transporter und wurden samt Pferden evakuiert.
Am Morgen reisen wir zu unseren Pferden nach Mirecourt zurück. Das Dorf steht unter Wasser, unsere Pferde haben die Nacht trockenen Fusses im 9 Meter höher gelegenen Stall überstanden. Auch heute ist an kein reiterliches Durchkommen zu denken – mit zwei Transportern geht es zum nächsten Etappenziel.
Heute erklärt uns Sabine wo wir reiten würden, wenn nicht alles unter Wasser stünde. Die letzte Strecke zur nächsten Pferdeunterkunft führt über eine vollkommen überflutete Brücke, sollen wir oder sollen wir nicht mit dem Lastwagen darüber, nämlich mehr schwimmen als fahren. Wir können fahren, der Chauffeur erahnt die Strasse mehr als er sie sieht – und wir kommen auf der andern Seite auch an.
Die Pferde müssen am Nachmittag bewegt werden. Nach den Anstrengungen der letzten Tage können wir die Pferde nicht stehen lassen, das Kraftfutter muss abgearbeitet werden. Wir reiten zwei Stunden auf sehr feuchtem Untergrund einen Höhezug entlang. Es regnet nicht mehr – der Himmel gibt Anlass zu Hoffnung – die Stimmung in der Truppe ist super, was uns nicht umbringt macht uns stark.  
Donnerstag 5. Oktober
Neufchâteau - Noncourt
Wir reiten wieder!
 
Wir können wieder weiter reiten. Sonne und Wolken wechseln sich ab. Es regnet genau einmal kurz – natürlich beim Mittagessen unter freiem Himmel.
Idi schlägt wie wild um sich, etwas stimmt nicht und es dauert, bis das Problem gefunden und behoben wird. Zwei Hirschläuse haben sich breit gemacht.
Durch endlos lange Mischwälder kommen wir zügig voran, kilometerlange Wege zum Traben, überqueren eine Hochebene und tauchen in einen Märchenwald ein. Den Himmel sieht man kaum noch durch das dichte Blätterdach, einen Weg hat es auch nicht immer, aber Sabine, unsere Tourenleiterin, führt uns mit traumwandlerischer Sicherheit an unser nächstes Etappenziel.
Und jetzt kommt, was alle die hier schon einmal Halt gemacht haben wissen was es ist, die Völlerei bei Jaky und Cécile, einem alten Ehepaar, das wahrscheinlich seit Tagen auf uns gewartet und alles vorbereitet hat. Wir kämpfen uns durch 5 Gänge mit je dem passenden Wein – und das ist nun wirklich der harte Teil des Tages – so ein 5-Gang-Menue dauert und die gekochten Mengen würden für Tage reichen.
Das Dinner zieht sich bis kurz vor Mitternacht hin und es gibt kein Entrinnen. Eigentlich sind wir alle hundemüde und sehnen uns nach einem Bett. Die Anstrengungen der letzten Tage fordern ihre ersten Opfer, Susanne schläft am Tisch ein und ein Erkältungsvirus beginnt sich breit zu machen.  
Freitag 6. Oktober
Noncourt – Montier-an-Der
Es regnet nicht mehr
 
So viel zum Regen heute, ganz genau als wir abends die Pferde im Gestüt in die Stallungen führen, beginnt es zu regnen, heute also ein regenfreier Ritt.
Der Tag beginnt aufregend. Idi, eines von Sabines Pferden, sucht das Weite. Sabine kommt so zum Morgenjoging. Idi hält sich auf der Strasse korrekt an die rechte Seite und als er einsieht, dass sämtliche Weiden verschlossen sind, gibt er auf und lässt sich einfangen.
Die Lokalpresse steht bereit und will ein Interview, zum Glück haben wir eine Französischlehrerin unter uns.
Zuerst geht’s nun einer Stasse entlang, ein Weg den wir eigentlich reiten wollen, ist aus den bekannten Gründen des Hochwassers gesperrt. Wenn man hier den Strassen entlang reitet, hat es immer einen grünen Streifen, es ist also erstens Hufeisen schonend und zweitens ist auch ein zügiges vorwärts Reiten im Trab möglich.
Wir reiten zur Freude der Kinder, die uns am Strassenrand sogleich in Scharen folgen, durch ein Städtchen, und wenn wir den Kuhweiden entlang reiten, galoppieren uns auch die Kühe nach, um nachher in Reih und Glied Spalier zu stehen.
Wir klettern wieder in die Höhe, reiten über und entlang unendlich langer Felder und tauchen dann in die Weite einer Ebene ein. Eine schwarze Wolke ist am Himmel, etwa genau dort, wo Joe mit dem Mittagessen wartet und – es regnet für einmal nicht beim Essen.
Wieder reiten wir in einem Märchenwald weiter, ein Pferd steht in ein Hornissennest, Framtíð jagt wie von der Tarantel gestochen durch den Wald, am Hinterteil etwa 5 Hornissen. Geistesgegenwärtig springt Evi ab und kann das Pferd mit Mühe und Not halten und von den Hornissen befreien.
Dann müssen wir ein Bächlein bezwingen, Sabine macht sich auf den Weg um eine günstige Stelle zum Überqueren zu suchen. Für unsere Isländer ist das aber kein grosses Problem, als Sabine zurück kommt sind wir schon alle auf der andern Bachseite.
Unsere Pferde sind im geschichtsträchtigen Gestüt Montier-en-Der untergebracht, wir Reiter in einer Feriensiedlung am See.  
Samstag 7. Oktober:
Montier-en-Der

Ruhetag  
Ausschlafen ist angesagt, wir treffen uns um 10.30 Uhr zum Brunch. Dann Pferdepflege, da und dort ein Gebresten pflegen, ein zweistündiger, ruhiger Ausritt in die Gegend, Kaffee trinken, plaudern und – das Wetter ist schön. Die Rache des Pharaos (Durchfall) hat das erste Opfer flach gelegt.
Der Mann für alle Fälle kommt zum Einsatz, Erich schlägt da und dort einen Nagel in die lockeren Hufeisen.  
Sonntag 8. Oktober
Montier-en-Der - Nogent sur Aube
Der Virus schlägt zu
 
Der Virus holt sich seine Opfer, wer Pech hat wird gleichzeitig von Erkältung und Pharaos Rache heimgesucht. Die Medikamentenlager schwinden und abends im Stall riecht es wie in einer Kurklinik die vor allem mit Kräutern arbeitet.

Die gute Nachricht: Wir montieren Sonnenbrillen und Sonnencreme, die Regenausrüstungen verschwinden in den Tiefen der Kisten.
Heute reiten wir lange der Strasse entlang, es ist eine kürzere Etappe, die langen sind hinter uns. Kurz heisst, nur knapp sieben Stunden im Sattel.
An einem lauschigen Plätzchen wartet Joe, der Camion ist eingesunken und muss nachher von einem Traktor aus dem Sumpf gezogen werden.

Am Nachmittag reiten wir in die unendliche Weite hinein, immer wieder Galoppstrecken auf abgeernteten Feldern. Es gibt kaum mehr Möglichkeiten die Pferde zu tränken. Zum Glück hat der Regen auch hier seine Spuren hinterlassen, alle Pferde haben gelernt aus Pfützen zu trinken. Sabine verspricht uns zwar ein Bächlein, aber es sind französische Zeitangaben und – das Bächlein ist dann doch eher ein Bach, läuft ziemlich über den Weg und fordert Pferde und Reiter noch einmal heraus. Lúði stolpert und es gelingt ihm beinahe ein Tauchgang, den andern Pferdenreicht das Wasser auch bis zum Bauch und sorgt dafür, dass wir auch heute nicht trockenen Fusses ankommen.
Wir nächtigen in einem kleinen, schmucken Schlösschen, das von vergangener Pracht träumt.  
Montag 9. Oktober
Tag der Presse.
Nogent sur Aube -Méry sur Seine
 
Der Lokalreporter hört Hufgeklapper, das macht ihn neugierig und lockt ihn unter der Dusche hervor. Durch sein Dorf sieht er eine Horde Reiter auf kleinen Pferdchen reiten. Die Geschichte beginnt ihn zu interessieren und er erkundigt sich nach uns. Im Dorf weiss man, dass wir auf dem Weg nach Paris sind. So macht er sich also Richtung Paris auf und trifft uns noch ein bisschen vor Paris an.

Randalin, die Tölterin in jedem Tempo, hinkt. Es sieht aus, als hätte sie eine Streifverletzung. Susanne ist hin und her gerissen, soll das Pferdchen laufen oder soll es fahren? Das Pferdchen startet mit uns, das Hinken wird weniger und dann leider wieder deutlicher. Also steigt Randalin in den Transporter, und fährt diese Etappe.
Lúði, der Heimkehrer, startet mit einem Raketenstart, vielleicht war die Teeflasche in der Satteltasche doch noch ein bisschen zu heiss.
Und wieder tauchen wir in die unendlich weite Ebene ein. Über Felder, neben Feldern in flottem Tempo, dann im Schritt dem Industriegebiet entlang, mit dem Duft der Zuckerübenfabrik in der Nase. Die Pferdchen sind fit und laufen wie auf Schienen. Donni, mit 21 Jahren der älteste Pferdeherr der Truppe, hält wacker mit. Allen Unkenrufen zum Trotz können noch alle Pferdchen tölten.

Mittagsrast ohne Regen und ohne versunkenen Camion, aber mit dem Lokalreporter und einem Sportfotografen aus der Schweiz und natürlich den üblichen kulinarischen Leckerbissen aus Joes Wanderküche.
In der Ebene geht der Ritt Richtung Paris weiter. Endlos lange Graswege, selten von einer Querstrasse unterbrochen, 2 km Galopp, 2 km flotter Schritt und wieder 2 km Galopp, dann hinterlassen wir, quer über die Felder ziehend, Pferdespuren in den abgeernteten Feldern.
Kurz bevor wir die Unterkunft erreichen, beginnt es wieder einmal zu regnen...
Heute nächtigen wir in einem Lagerhaus und die Schnarcher und Nichtschnarcher lassen sich nicht mehr so eindeutig auf die Zimmer mit sehr dünnen Wänden verteilen. 
Dienstag 10. Oktober
Méry sur Saine - Nogent sur Seine
Hitzewelle über uns
 
Wir haben telefonischen Kontakt mit der isländischen Botschaft in Paris. Geplant ist ein Treffen unter dem Eifeltrum. Paris wir kommen!
Die Pferde wirken heute müde. Randalin hinkt noch immer und bekommt einen Platz im Transporter. Lúði gibt im Trab auch an und bekommt den zweiten Reiseplatz. Hoffentlich spricht sich das bei den Pferdchen nicht herum, dass man kurz Hinken muss und dann fahren darf... Pferderochade: Petra, die im Schnarchzimmer kaum geschlafen hat, reist mit Hoffnung auf Schlaf auch mit dem Transporter, Susanne übernimmt Faxi und Käthi klettert auf Idi, das Grosspferd. Das elegante Aufsteigen ist dabei die grösste Hürde.

Im Morgennebel reiten wir einem stillgelegten Seinekanal entlang und tauchen dann wieder in die Ebene hinein. Langsam hätten wir die Ebenen gesehen und sehnen uns nach abwechslungsreicherer Landschaft und ganz speziell nach Bäumen. Der Herbsttag läuft zur Höchstform auf, und die Sonne gibt jetzt alles und brennt auf uns nieder. Wir denken an unsere Islandpullover im Gepäck, die wir in Paris tragen wollen, es könnte sein, dass das nicht ganz die geeignete Kleidung sein wird...
Wir kommen uns zwischen den abgeernteten Feldern und der sengenden Hitze vor wie auf einem Prärieritt. Das Tränken unserer schwitzenden Pferdchen wird zum Problem; einige haben zwar einen Reiseschnitt (Rasur) bekommen, einige aber auch nicht, es schwitzen aber alle und die Winterhaare wachsen auch schon wieder nach. Nun geht auch Valdi, der Vorwärtsdränger, sparsamer mit seinen Kräften um und ist der Gruppe nur noch wenige Meter voraus. Wir peilen ein Dorf an und werden fündig, eine Frau schleppt uns Wasser heran, zum Dank darf sie uns fotografieren.

Endlich ist der blaue Camion mit Tranksahne für uns in Sicht.
Der Weiterritt ist gnädiger, die Sonne hat am Mittag doch nicht mehr die sommerliche Kraft. Heute sind unsere Pferde im Offenstall eines Arabervollblut-Gestüts untergebracht, zum Teil sogar mit Zugang zur Weide. Randalin galoppiert auf der Weide wacker – das Hinken ist verschwunden. Auf uns wartet wieder ein Schlösschen-Hotel.  
Mittwoch 11. Oktober
Über den sieben Bergen
Nogent sur Seine- Monterau
 
Der isländische Botschafter teilt uns per Telefon mit, dass er uns unter dem Eifelturm empfangen wird.
Zum Glück ahnen wir am Morgen nicht, welche Etappe auf uns wartet: 65 Kilometer Wegstrecke, 10 Stunden unterwegs und davon 9 im Sattel.
Die Ebene hat uns wieder. Der Himmel ist bedeckt, und es weht ein leichter Wind, ideales Wetter für Mensch und Tier. Fast alle Pferde sind wieder ausgeruht. Framtíð, und Randalin reisen heute per Camion. Framtíð, , mit neun Jahren die jüngste der Truppe, ist einfach müde. Randalin läuft zwar wieder gut, aber wir wollen ja keine Risiken eingehen.
Wir erklimmen einen Hügel, um die nächsten sieben zu sehen. Die Kamine des AKW sind vor uns, neben uns und dann hinter uns. Und wieder reiten wir über endlose Felder, bis zu zwanzig Hasen jagen gleichzeitig darüber, als wäre es kurz vor Ostern, sie regen unsere Fantasie auf Hasenbraten an. Mittagessen gibt es wie immer um 15 Uhr, unsere Mägen beginnen immer noch ab 13 Uhr zu knurren.

Donni, der älteste Herr der Pferdetruppe, hat am Mittag genug, er beginnt sofort zu dösen und will nicht richtig fressen. Jean, der Pferdemensch der uns besucht, stellt eine Ermüdung fest, das haben wir allerdings auch selber gemerkt. Donni darf fahren
Framtíð, marschiert wieder wacker mit.

In flottem Tempo geht es nach einer Stunde Rast weiter. Die Landschaft wird wieder spannender – da und dort ein Dorf, kurze Waldstücke, dann reiten wir dem Kanal entlang. Viele Trabstrecken folgen, fast alle Pferde brauchen jetzt den kräftesparenden Trab, die Landschaft versinkt in der Abenddämmerung. Wir traben kilometelang, dann kurze Verschnaufpausen im Schritt und wieder weiter im Trab. Es beginnt einzunachten, die Strecke zieht sich. Sabine montiert Leuchtgamaschen und verteilt Taschenlampen – das heißt wohl, es dauert noch seine Zeit bis wir heute ankommen. Um 21 Uhr erreichen wir die Pferdeunterkunft, nach einem langen Tag im Sattel.
Die anstrengenden Tage für Pferd und Reiter liegen nun hinter uns und hinterlassen da und dort Spuren bei Mensch und Tier.  
Donnerstag 12. Oktober
Vor den Toren von Paris
Montereau – Fontainebleau
 
Es regnet ein bisschen, dann regnet es ein bisschen mehr und nachdem alle Regenkleider montiert sind, hört es auf zu regnen. Die Reiter sind zerknittert, die Pferde aber motiviert. Es geht heute etwas langsamer vorwärts, die Etappe ist auch kurz.

Traditionell werden die Pferde im Fluss neben und unter der geschichtsträchtigen Kulisse von Moret-sur-Loing getränkt und die Pferdebeine gekühlt. Alle Pferde geniessen das Bad sichtlich, Sölvi kann nur knapp von einer Schwimmrunde abgehalten werden.
Nun tauchen wir in den unendlich grossen Wald von Fontainebleau ein. Alte Eichenbäume, sandiger Boden, leider für unser Pferdchen ungeeignet zum Galoppieren. Und dann geschieht was offenbar auch eine Tradition ist, eine Unachtsamkeit, die müden Pferdebeine beim Trab zu wenig gehoben, ein Pferd stürzt, der Reiter auf der Startrampe sitzend macht einen Salto vorwärts und findet sich auf dem sandigen Boden wieder... Pferd und Reiter stehen wieder auf, ersteres unverletzt, zweiter etwas havariert, aber noch reitfähig.
Hirschkühe kreuzen unsere Wege und dann taucht plötzlich das gewaltige Schloss Fontainebleau vor unseren Augen auf. Wir haben es geschafft, da und dort ein paar Blessuren. 500 Kilometer Abenteuer und Spannung, manchmal Müdigkeit, und etwas Strapazen, viel Lachen, gute Laune und Gruppengeist liegen hinter uns und unseren Pferdchen. Wir sind stolz auf die treuen vierbeinigen Kameraden und dankbar, dass alles soweit gut über die Bühne gelaufen ist. Morgen fahren wir mit dem Transporter nach Paris. Eifelturm wir kommen!  
Freitag 13. Oktober
Fontainebleau - Paris - Fontainebleau
Paris wir sind da
 
Pferde putzen, Hufe fetten, die letzten sauberen Reithosen suchen, Islandpullover montieren, Pferde verladen. Mit dem Camion kämpft sich Joe durch den Pariser Morgenverkehr. Ausladen vor der Ecole Militaire, zäumen, alles muss schnell gehen, die grossen Transporter versperren die Strassen. Wir reiten durch die Menge der knipsenden Japaner zum Eifelturm, werden vom isländischen Botschafter begrüsst, unsere grossen kleinen Pferdchen werden geehrt, wir reiten um den Eifelturm, wir stossen an. Eifelturm wir sind da, Paris wir sind gekommen!  
Nachlese  
Herzlichen Dank an all die grossen und kleinen Helfer im Hintergrund und speziellen Dank an Sabrina, Rahel, Bettina und Cathya, die uns geholfen haben unsere Pferde zu trainieren.  
Freitag 27. Oktober
Lutter
Fototreffen
 
Die Reise nach Lutter zieht sich im freitäglichen Abendverkehr auf der Unfall schwangeren Autobahn Richtung Basel in die Länge.
Bei Sabine und Joe im Elsass schwelgen wir noch einmal bei Wein und gutem Essen. Die Erinnerungs-Plaketten werden verteilt, die Fotoshow läuft in einer endlos Schleife im Hintergrund, untermalt mit der Musik der französischen Nationalhymne. Gedanklich gehen wir die Stationen unseres Rittes noch einmal durch. Fascit: Wir gingen alle noch einmal auf den Ritt, wir könnten ein zweites Mal auch ein paar Dinge besser machen, darum: Elsass wir kommen im Jahr 2008...