|
|
|
Zwei reisen an die WM, die eine davon ist blond
ew Seit gestern zweifeln wir ein bisschen an unsere bis anhin für ganz gut gehaltenen geistigen Fähigkeiten und das kam so:
Das Wetter ist prächtig, die Arbeit kann bis um 17 Uhr warten, wir fahren also an die WM, mit dem ÖV, obwohl wir beide je ein Auto und je ein Pferdchen besitzen. Aber erstes bleibt aus Gründen der zu schützenden Umwelt in der Garage und zweites aus Zeit technischen Überlegungen auf der Weide.
Vorweg zu nehmen ist, beide WM-Reisenden sind des Lesens und des Schreibens kundig, dieses wurde von der Eidgenossenschaft bestätigt und beide sind durchaus fähig im Alltag zu bestehen.
Wir reisen also an die WM. Bis Wil schaffen wir es problemlos, die S 9 haben wir knapp nicht verpasst, in Lichtenseig müssen wir umsteigen. Wir haben uns dies und das zu erzählen und – wir stellen fest, dass wir in Lichtensteig sind beziehungsweise gerade waren, als die Bahnhofstafel mit dem hilfreichen Hinweis auf Lichtenseig langsam an uns, immer noch im Eisenbahnwagen sitzend, vorüberzieht. Kein Problem, in Wattwil steigen wir aus und nehmen den nächsten Zug zurück und beschliessen für die zusätzlichen Bahnkilometer, die wir weder machen wollten noch bezahlt haben, nichts zusätzliches zu bezahlen und besteigen wohlgemut wieder den Zug zurück nach Lichtensteig und – steigen dort aus. Dass der sich jetzt von uns entfernende Zug, indem wir gerade noch gesessen sind, derjenige gewesen wäre, in den wir, wären wir am richtigen Ort ausgestiegen, hätten einsteigen müssen, stellen wir genau in dem Moment fest, als er sich in Bewegung setzt. Drei Minuten später wird er in Brunnadern ankommen, wir aber stehen am Bahnhof von Lichtensteig. Fussmarsch über den Berg 1 Stunde 40 Minuten, der nächste Zug in einer Stunde, kein Taxi, Tölt 1 beginnt in 20 Minuten. Unser Zeitplan ist straff durchorganisiert mit Hunden, Pferde, Familie und Arbeit. Also beschliessen wir zu tun, was ich meinen Jugendlichen verbiete, wir werden Autostopp machen. Aber wo genau ist die Strasse und wenn wir diese finden würden, welche Richtung müssten wir wählen? Wir haben beide milde ausgedrückt keinen besonders ausgeprägten Orientierungssinn und kommen vom Reiten eigentlich nur immer wieder sicher nach Hause, weil unsere Pferde den heimatlichen Hafer riechen können.
Also doch ein Taxi. Über den Berg reisen wir mit Pferdestärken an die WM, das passt ja eigentlich aber die Ökobillanz kommt ins Wanken, doch dafür haben wir das örtliche Gewerbe unterstützt.
Und – die Geschichte der zwei die ausgingen um mit dem ÖV an die WM zu fahren bekommt eine Fortsetzung, die eine der beiden ist ja bekanntlich blond.
Auf der Rückreise schaffen wir die Strecke vom WM Gelände bis zum Bahnhof Brunnadern dank Shutttelbus problemlos, die Reise von Brunnadern bis Lichtensteig ebenfalls und dort warten wir auf die S Bahn nach Wil. Es fährt zur richtigen Zeit der falsche Zug ein und trotz gemachter Erfahrungen am Morgen hat unser Selbstvertrauen kaum gelitten, wir steigen ohne den leisesten Zweifel an unserem Tun ein - und - sie glauben es kaum, aber es ist so - 3 Minuten später sind wir wieder in Brunnadern. Eine Rundfahrt diese Mal also...
In einer Stunde hätten wir die nächste Chance am richtigen Ort den richtigen Zug in die richtige Richtung zu besteigen. Nun drängt die Zeit aber wirklich, bei der einen warten die Hunde bei der andern die kranken Kinder im Spital. Autostopp also, das hatten wir ja schon einmal vor. Gesagt getan und jetzt werden wir das verflixte Lichtensteig umfahren und die direkt Route mit Ziel Wil einschlagen. Die Richtung ist klar, da angeschrieben und es klappt auf Anhieb für die ersten 4 von 20 Kilometern und dann, wandern wir und wandern wir der schmalen, kurvenreichen Strasse entlang in durchaus zauberhafter Landschaft unterhalb Mogelsberg Richtung Wil stets den Stoppdaumen in der Luft halten. Bergkäse könnten wir kaufen, Ziegenkäse auch, aber ein Souvenir brauchen wir jetzt nicht mehr wirklich. Verkehr hat es reichlich, leider vor allem in die Gegenrichtung zum WM Gelände. Die wenigen Autos, die in die gewünschte Richtung fahren, die meisten beklebt mit Islandpferdezeichen, lassen uns weiter wandern. Kein Postauto, kein gar nichts, auf Schusters Rappen oder das Mitleid der Auto fahrenden Bevölkerung sind wir angewiesen. Wir versuchen sämtliche bekannten Autostopptricks aus: Nur die Junge steht am Strassenrand, nur die Blonde versucht es und bevor wir zum Äussersten schreiten, nämlich dass sich eine von uns beiden auf den Boden legt und ans Mitleid unsrer Nächsten appelliert, hält ein Auto mit einem Pferdemenschen am Steuer, keinem Islandpferdemenschen, einem Haflingerpferdemenschen. Den relevanten Teil für diesen Abschnitt unserer Reise erzählen wir ihm, den andern verschweigen wir rücksichtsvoll und obwohl er nicht dorthin müsste, bringt der Haflingerpferdezüchter uns an den Bahnhof nach Bazenheid. Und nun schaffen wir den Rest des Weges doch noch mit dem ÖV. Richtige Richtung eingeschlagen, richtiger Zug genommen und erst noch an der richtigen Haltestelle ausgestiegen. Wir sind stolz auf uns und vielleicht fahren wir nochmals an die WM, den Weg kennen wir jetzt.
ein bisschen WM


