Reitunfall – was nun

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Und plötzlich musst du helfen

ew Ich habe keine Flugangst, aber ich fliege trotzdem nicht gerne. Das Gefühl lässt sich nicht richtig einordnen – ist es das Ausgeliefertsein, das Wissen des keinen Einfluss mehr habens?

Auf dem Heimflug von Montreal nach Amsterdam sitzen ich in einer voll ausgebuchten MD-11, die Flugroute streift Halifax, das macht mich nicht wirklich ruhiger, auch wenn mir mein Verstand sagt, dass sich die Geschichte selten zu wiederholen pflegt. Nach einer Stunde Flug bereitet sich die wohlige, einschläfernde Wirkung des Weines langsam aus. Mein Sitznachbar hat sich die Nachtbrille übergestreift, die Ohren zugepfropft und räkelt sich unter der Wolldeck auf der Suche nach einer bequemen Stellung im engen Sitz. Sein Kopf sinkt gefährlich nahe an meine Schultern – warum sitze ich immer in der Mitte und warum erobern meine Sitznachbarn immer so selbstverständlich die Armlehnen?

Via Lautsprecher wir ein zufällig an Bord anwesender Mediziner gesucht. Schlagartig bin ich hellwach – ich bin keine Medizinerin – aber ich bin eine erfahrene Notfallpflegefachfrau, unterrichte an einer Rettungsschule die lebensrettenden Notfallmassnahmen und habe Strassenrettungserfahrung. Die Luft ist zum Zerreissen gespannt, mein Puls rast, ein älterer Herr erhebt sich, der orange Notfallkoffer und der AED wird hektisch nach hinten getragen. Der AED, der automatische externe Defibrilator, das kleine Gerät, das auch in zweifacher Ausgabe im Bundeshaus in der Schweiz hängt und vor einem halben Jahr einer Nationalrätin das Leben gerettet hat. Jetzt geht mich das Geschehen doch etwas an, ich kenne die AED-Geräte, ich schule und bin geschult in den lebensrettenden Notfallmassnahmen – auch ausserhalb des Spitals. Ich klettere aus meinem engen, mittleren Sitz, sage dem Flightattendant, dass ich Notfallpflegefachfrau bin und falls sie meine Hilfe brauchen zur Verfügung stehe – darauf hoffend, dass ich nicht gebraucht werde. Ich werde aber gebraucht. Es ist dramatisch. Offensichtlich ohne Atmung und ohne Kreislauf liegt ein älterer Herr graublau quer über den Sitzen. Der Versuch einer Thoraxkompression – beinahe am richtigen Punkt, aber auf dem weichen Sitz, also wirkungslos – ist im Gang. Der AED ist richtig angeschlossen, der Kopf des Patienten liebevoll auf zwei Kissen hoch gelagert, keine freien Atemwege. Ich bin nicht reanimatiosungeübt – aber ich bin ein Luxusreanimator, gewöhnt an das sterile Material des Spitals und an Teamarbeit. Den Patienten von den Sitzen zu hissen ist Schwerstarbeit, wir ziehen ihn in die Bordküche und nun arbeiten wir zu dritt, eine junge holländische Ärztin, der Flightattendent und ich. Herzmassage, Mund zu Mund-Beatmung (hätte ich doch meine Beatmungsmaske im Handgepäck…) Defibrillator. Die beiden andern sind froh, dass ich das Kommando übernehme, ich habe keine Zeit zum Nachdenken, ich funktioniere einfach – messerscharf und glasklar sind meine Gedanken, ich nehme nichts mehr um mich herum war, nur die Arbeit zu dritt, den Versuch das Leben zu retten, nur das Fluggeräusch im Hintergrund – keine Müdigkeit, kein Zeitgefühl, keine Erschöpfung – nur die Konzentration auf die Arbeit. Und plötzlich wird auch wichtig, dass die Schemen international sind, die Reanimationssprache ist Englisch – jeder von uns Helfern hat eine andere Muttersprache. 10 Minuten – 15 Minuten – 20 Minuten, 40 Minuten – endlos – ruhiges, konzentriertes Arbeiten.

Statistisch gesehen kann man 1 von 100 Menschen retten, wenn der Defi in 4 Minuten in Betrieb ist und CPR gemacht wird. Wir waren in der Zeit – aber unser Kampf wird immer aussichtsloser. Die Uhr ist abgelaufen.

Was jetzt kommt ist das Dasein für die Hinterblieben und das übernimmt die Holländerin, sie spricht die Muttersprache der Angehörigen.

Vorne in der Businessklasse hat kaum jemand mitbekommen, dass auf dem Flug von Montreal nach Amsterdam ein Leben zu Ende gegangen ist.

Mir wird die Endlichkeit des Lebens wieder einmal bewusst, ich bin betroffen nachdenklich, an Schlafen ist nicht zu denken. Rund um mich geht alles weiter, die Menschen schlafen, schauen sich den Film an, essen, drängen sich in Amsterdam aus dem Flugzeug und zerstreuen sich in alle Richtungen. Kaum jemand nimmt das Careteam wahr, das auf die Angehörigen wartet.

Sechs kleine holländische Porzellanhäuser stehen in unserem Esszimmer, das Geschenk des Flightattendent, die Erinnerung an einen Mann, dessen Namen ich nicht kenne – dessen Weg sich aber am Ende seines Lebens kurz und dramatisch mit meinem gekreuzt hat.

 

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Und plötzlich ist der Unfall da …

Notfallkurse werden selten freiwillig besucht. Alle wissen, man müsste wieder einmal… und trotzdem verschiebt man den Kursbesuch doch ganz gerne auf irgendwann einmal.
So werden Notfallkurse üblicherweise gebucht, wenn der Kursausweis ein unumgängliches Mittel zu einem Ziel ist oder nachdem man einer verunfallten Person ziemlich hilflos gegenüber stand und man sich kein zweites Mal in dieser verzweifelten Situation finden will.

Heute ist der Besuch eines Nothelferkurses für den Erweb eines Fahrausweises obligatorisch. Es haben also viele Leute eine Grundausbildung. Bei einer Umfrage glauben 50 % der Befragten, dass sie bei einer Notsituation richtig handeln könnten. Es sind aber in der Realität nur 20 % die wirklich handeln.

Plötzlich sind Sie verantwortlich und müssen handeln. Ein Sturz vom Pferd, Bewusstlosigkeit, Rückenverletzung und jetzt was nun? Was muss ich machen, was darf ich nicht machen, welche Hilfsmittel brauche ich?

 

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Wir bieten Kurse auf Ihrem Hof an

 

Kurs organisieren – so geht`s

  • Gruppe zusammenstellen: Sie suchen sich Reiterfreunde mit denen Sie zusammen den Kurs absolvieren möchten  – maximal 6 Personen
  • Termine: Sie machen uns Termin- und Zeitvorschläge, wir kommen selbstverständlich auch am Abend und am Wochenende
  • Kursraum:Mit dem vorhandenen Platzangebot in einem Stall, einem Reiterstübchen oder einem Haus arrangieren wir uns, wir sind gut im Improvisieren
  • Laptop und Beamer: Wir bringen Laptop und Beamer mit, damit wir Zusammenhänge mit Bildern erklären können
  • Beatmungspuppen: Wir bringen Beatmungspuppen in 2 Grössen mit: Kinder, Erwachsene
  • AED: Wir bringen einen AED mit um den Einsatz des Defibrilators zu üben
  • Heimlichmanöver. Wir bringen Actfast-Traine mit um das Heimlichmanöver real zu üben
  • Kursdauer: Der Kurs dauert etwa 3 Stunden
  • Kosten: Fr. 600.- pro Kurs
  • Kursleitung: Elisabeth Wetzstein oder Sibylle Heldtab – wir reiten beide und wir arbeiten auf einer grossen Notfallstation

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Aus dem Kursinhalt:

  • Prophylaxe von Reitunfällen
  • Kinematik bei Reitunfällem
  • Organisation, Beurteilen, Alarmieren und Notfallmassnahmen auf der Unfallstelle
  • Blutungen
  • Bewusstlosigkeit
  • Beatmen, Thoraxkompression
  • Heimlichmanöver
  • Einsatz eines Defibrillaton
  • Rückenverletzungen